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The Man Who Killed Hitler And Then The Bigfoot– Filmkritik & Review zum Mediabook

„Ein amerikanischer Mythos”

Was für ein Filmtitel. Wenn man diese beiden Figuren historisch (Adolf Hitler) und mythisch (Bigfoot) in seinem Kopf erst einmal zusammenbekommen hat, versteckt sich die Hauptperson in den ersten beiden Worten: THE MAN WHO KILLED HITLER AND THEN THE BIGFOOT ist nämlich eher als ein Portrait zu verstehen. Die Erwartungshaltung des Filmfans, dass Gewalt ein wesentlicher Bestandteil der Geschichte ist, wird hier nicht erfüllt. Auch wenn man bei dem Filmnamen eher einen Exploitationfilm erwarten würde als ein gefühlvolles Drama mit der Überwindung von Schuldgefühlen. Aber das ist hier der Fall und auf einige andere unerwartete Momente sollte man sich ebenfalls einstellen.

The Man Who Killed Hitler And Then The Bigfoot (2018)
© Capelight Pictures

Handlung

Calvin Barr (Sam Elliott) lebt zurückgezogen in einer Kleinstadt in Massachusetts der 80er Jahre. Es ist eine Bilderbuchgemeinde, wo jeder jeden kennt und ein besonderes Flair, das aus Hollywoodklassikern stammen könnte, in der Luft liegt. Trotz Idylle, hat Rentner Calvin schwer mit seiner Vergangenheit zu kämpfen. Immer wieder kehren Erinnerungen in Form von Flashbacks an seine Spezialmission im Zweiten Weltkrieg zurück. Dort hatte er – der junge Calvin wird gespielt von Aidan Turner – sich als deutscher Offizier getarnt und den Auftrag erhalten Adolf Hitler zu töten. Aber dieses Attentat ist nicht das zentrale Thema des Films, sondern die Reue seine große Liebe verloren zu haben: Maxine (Caitlin FitzGerald).

The Man Who Killed Hitler And Then The Bigfoot (2018)
© Capelight Pictures

Der Schein trügt

Schwer zu sagen, weil hier alles so gar nicht nach Drehbuch-Blaupause abläuft, ob das so gewollt ist oder am noch unerfahrenen Spielfilm-Erstlingswerk des Regisseurs Robert D. Krzykowski liegt. 12 Jahre hatte er über mehrere Phasen am Drehbuch gearbeitet und als Sam Elliott (ROAD HOUSE, THE BIG LEBOWSKI, THE RANCH) in der Hauptrolle feststand, nahm das Projekt schneller Gestalt an als erwartet. Das Drehbuch erzeugt durch seine originelle Struktur auch eine unerwartete Filmerfahrung. Vor allem wird der Film von Sam Elliott getragen. Wenn er melancholisch aus dem Fenster schaut, mit seinem Hund durch die Straßen der Stadt fährt oder mit seinem Bruder Ed (Larry Miller) nachts Kakao auf der Parkbank trinkt, ist man in seiner Aura gefangen. Ihm gelingt auch das, was dem Drehbuch nicht so recht vermag: Seiner Vergangenheit immer noch eine Art Illusion zu verleihen. Bis zum Ende bleibt man skeptisch, ob die Geschehnisse nur Hirngespinste eines alten Mannes sind.

The Man Who Killed Hitler And Then The Bigfoot (2018)
© Capelight Pictures

Produktion

Sehr positiv muss man hier bei einem Indiefilm mit kleinem Budget erwähnen, welch tolle Filmsets erstellt wurden. Das Produktionsdesign-Team glänzt durch viel Liebe zum Detail. Von der Attentatswaffe à la James Bond über die Jagdkleidung Calvins bis hin zum Abendkleid von Maxine, stimmt alles bis ins letzte Detail. Nicht nur sehenswert, sondern auch hörenswert kann man THE MAN WHO KILLED HITLER AND THEN THE BIGFOOT genießen, dank Filmkomponist Joe Kraemer (MISSION IMPOSSIBLE – ROGUE NATION, THE WAY OF THE GUN). Neben wenigen auswechselbaren militärischen Marsch-Themen, stellt sich durch feine Klavierklänge eine emotionale Bindung her. Vor allem in der großen Liebe zu Maxine kommen die musikalischen Themen zur Geltung, welcher durch das Drehbuch wenig Platz für eine Entwicklung gegeben worden.

The Man Who Killed Hitler And Then The Bigfoot (2018)
© Capelight Pictures

Dank des Filmschnitts ist ein kurzweiliges Sehvergnügen entstanden. Jeder andere „Jung-Regisseur“ hätte um jede gedrehte Szene und jeden Figurenausbau gekämpft. Hier geht es jedoch forsch durch die Jahrzehnte hindurch, bleibt aber nachvollziehbar und so manche absurde Szene gewinnt sogar am schnellen Szenenwechsel. Calvin wird zum Beispiel durch einen Sicherheitsring aus Feuer per Schnitt geschleust, damit er Bigfoot jagen kann. Da darf man sich auch mal einen Schmunzler auf diese Absurdität erlauben.

The Man Who Killed Hitler And Then The Bigfoot (2018)
© Capelight Pictures

Fazit

Es wäre ein Leichtes gewesen aus diesem Plot einen Trashfilm oder emotionslosen B-Actionmovie zu drehen. Aber alle Beteiligten wollten hier etwas völlig Neues mit wenigen Mitteln schaffen und das ist ihnen gelungen. Den Löwenanteil am Erfolg der ungewöhnlichen Geschichte haben jedoch Sam Elliott und der Komponist Joe Kraemer. THE MAN WHO KILLED HITLER AND THEN THE BIGFOOT bindet erst durch sie seine Zuschauer auch emotional, trotz der ungewohnten Kreuzung eines reuevollen Assassinen von Hitler und Bigfoot. Bleibt nur die Frage, ob sich Interessierte über den sperrigen Titel hinwegsetzen und einen Versuch wagen, der sich für diesen schreibenden Filmfan allemal gelohnt hat.

Das Mediabook

The Man Who Killed Hitler And Then The Bigfoot (2018)
Das Mediabook von Capelight Pictures

Wie schön, dass Capelightnun immer auch eine 4K-UHD-Filmversion in ihren Mediabooks anbietet, wenn es denn die Aufnahmen hergeben. Warum der Film dann auch noch neben der Blu-ray auf DVD dabei sein muss, sei dahingestellt. Satte Farben und perfekter Klangdeuten hier auf kein Amateurprojekt hin und auch die deutsche Synchronisation ist in Top-QualitätExtras wie Audiokommentar, Hinter den Kulissen, Entfallene Szenen und ein Interview mit Filmkomponist Joe Kraemer runden das Release ab. Auch wenn der schöne Soundtrack leider nicht dabei ist, kann man den Kurzfilm ELSIE HOOPER von Regisseur Krzykowski sehen, der sogar Effektikone Douglas Trumbull (BLADE RUNNER, 2001: ODYSSEE IM WELTRAUM) überzeugte, beratend für THE MAN WHO KILLED HITLER AND THEN THE BIGFOOT zu agieren. Das Cover des Mediabooks ist schön gestaltet und das Booklet bietet ein Interview mit dem Regisseur und dem Redakteur Leonhard Elias Lemke vom DEADLINE-Magazin.

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